Rede zum 10jährigen Jubiläum am 15.Juli 2010

... von Krimiautor Ralf Kramp

Ein Etikettenschwindel ungeheuerlichen Ausmaßes!

Tiefstapelei in Reinkultur!

Das - kleine - Landcafé!

 

Ich bitte Sie, denken Sie sich doch einmal den Fall, Sie hätten noch nie von diesem Platz gehört, mit dem Ortsnamen Kerpen verbänden Sie maximal die Michael-Schumacher-Kartbahn und Adolph Kolping. Was, frage ich Sie, würden Sie sich unter "Das kleine Landcafé" vorstellen?

Eine kleine Hütte am schlecht ausgeschilderten Wanderweg, mit Blümchenkaffee und Grießstreusel, mit Eis am Stiel und verschossenen Eifel-Fotografien an den Wänden. Es ist noch gar nicht so lange her, da war dies die Wirklichkeit, da erwarteten die Touristen, die noch "Fremde" hießen und in "Fremdenzimmern" untergebracht wurden, genau das, wenn sie etwas von "kleinen Landcafés" hörten. Das war zu der Zeit, als die Eifel noch im tiefen Dornröschenschlaf schnarchte. Da war es hier bei uns zwar auch schon schön, aber man hatte noch keine richtige Lust, das den "Fremden" auch zu zeigen.

 

"Das kleine Landcafé", das steht im krassen Gegensatz zu den mondänen Kaffeehäusern, zu den "GrandCafés" der großen weiten Welt. "Das kleine Landcafé" - als Festredner orientiert sich meine Gage übrigens an der Anzahl der in meiner Rede vorkommenden Begriffe "Das", "kleine" und "Landcafé" - das ist doch kein Ausflugsziel, da kann man höchstens mal eine Pinkelpause einlegen und ein Kännchen Schonkaffee auf der Terrasse zu sich nehmen, wen man ohnehin dran vorbeifährt.

 

Das, meine Damen und Herren, und ich sage mehrmals "Das ... das ... das ...", denn wie gesagt, "das" Honorar, das liegt alles schon zehn Jahre zurück. Zehn Jahre ist es her, dass ein paar wirre Gedanken in zwei Köpfen herumspukten. Ein paar wirre Gedanken, die langsam zu hochfliegenden Plänen heranreiften, die sich dann wiederum in einem verwegenen Vorhaben manifestierten, welches schlussendlich in tollkühne Taten umgesetzt wurde.

 

Da waren Thea und Günter Greif, die alles Mögliche waren, aber keine Gastronomen und da war ein altes Bauernhaus, aus dem man alles Mögliche hätte machen können, aber kein Café. Man hätte den Stall wieder mit Vieh füllen können, man hätte biologischen Landbau betreiben können, Pilze oder Pferde züchten können, aber ein Café? In Kerpen?

Warum das denn?

Kultur? Ein Begriff, der in erster Linie im Zusammenhang mit landwirtschaftlichen Anbauprodukten gebraucht wurde.

Veranstaltungen? Kirmes und Dörpsthiater.

 

Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Nichts gegen das gemütliche Dorfleben vor der Ära des "kleinen Landcafés. Kerpen ist sicherlich schon lange vorher eines der schönsten und gemütlichsten Dörfer der Eifel gewesen, mit seiner Burg, dem Stausee, dem liebevoll restaurierten Dorfkern, doch vor zehn Jahren hat Kerpen ein kostbares Geschenk bekommen, das auch der Letzte mittlerweile als solches erkannt haben dürfte. Wenn Kerpen die Prinzessin unter den Eifeldörfern ist, dann ist "das kleine Landcafé" das glitzernde Krönchen auf dem hübschen Kopf.

 

In zehn Jahren ist viel geschehen, hat sich viel geändert. Umbauten, Erweiterungen, neue Speisen, neue Getränke, neue Pläne, neue Hürden, neue Herausforderungen, aber Thea ist da, bezaubernd und berückend wie vor zehn Jahren, immer noch die personifizierte Gastfreundschaft, mittlerweile die versierte Kulturmanagerin, die umtriebige Macherin. Ihr zur Seite Günter, der stille Zuarbeiter an der Kaffeemaschine, der talentierte Musikliebhaber, der uns bei jedem Aufenthalt kleine akustische Urlaube beschert, der penible Bilderhänger und besonnene Planer

Und da ist Beate, die Frau im Hintergrund, die nie eine Lücke entstehen lässt, die sich mit soviel Engagement einsetzt, als wäre das hier jeden Tag ihr ganz privater Kommunionskaffee. Wie viele Kellnerinnen haben in den vergangenen zehn Jahren hier gearbeitet, haben das kleine Landcafé als Aushilfen während einer mal kürzeren, mal längeren Etappe ihres jungen Lebens mit ihrer reizenden Anwesenheit bereichert? Eine hübscher als die andere, vermutlich ausgewählt von Günter, ein Sprungbrett vielleicht von Kerpen ohne Umwege ins Modelgeschäft. Eine solche Ballung hübscher junger Damen hat es wohl selten in einem Café gegeben. Die, die in zehn Jahren hier kellnern werden, werden übrigens im August eingeschult.

 

Viel hat sich in zehn Jahren im kleinen Landcafé geändert, und soweit ich das beurteilen kann ausschließlich zum Besseren. Das Konzept ist aufgegangen. Neue Kunstwerke zieren jeden Monat aufs Neue die rustikalen Bruchsteinwände, Musik und Kabarett haben Einzug gehalten und haben die Minimalbühne am Klavier zu einer kontinuierlichen, zu einer der wichtigsten Kleinkunststätten in weitem Umkreis werden lassen.

 

"Begegnungen genießen" - So lautet der kluge Slogan dieses Hauses. Wo bitteschön, kann man Begegnungen schöner genießen als hier? Hier begegnen einander kreative Köpfe von Nah und Fern. Hier begegnen Menschen, die Ruhe suchen, Menschen, die Geselligkeit suchen - und beide werden glücklich.

Ausgerechnet hier begann übrigens vor neun Jahren das erste Date zwischen meiner Frau Monika und mir - übrigens der größte Coup, der dem kleinen Landcafé je gelungen ist!

 

Dieses Café ist behagliches Kaminfeuer im Winter, ist erfrischendes Picknick im Sommer. Dieses Café ist Medizin für den Geist und Massage für den Körper. Dieses Café ist wie das gemütliche Paar Pantoffel, in das man abends hineinschlüpft.

 

Sie merken es, ich rede dauernd in Superlativen, und damit komme ich zum Anfang zurück: Das - kleine  - Landcafé?

Nein, nein, nein. Das ist ein großes Café. Das ist ein Café von Weltklasse!

Merken Sie jetzt, welcher impertinente Etikettenschwindel hier betrieben wird? "Kleines Landcafé"! Dass ich nicht lache!

 

So, wie oft war da jetzt "Das kleine Landcafé" drin"